Bei Anruf Pausen-Clown

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Mein Handy klingelt. Es könnte ein Anruf sein, also gehe ich ‚ran. „Purol?“

Eine Dame meldet sich: „Guten Tag, mein Name ist Frau Ich-spreche-ganz-schnell-damit-Sie- meinen Namen-nicht-verstehen  von der Firma Nuscheln-hilft-auch. Ich hätte gerne die Frau Purol gesprochen.“

Nicht schlecht, mit dem „die Frau Purol“ hat sie eindeutig bewiesen, dass sie mein Geschlecht zuordnen kann. Und irgendwie wettgemacht, dass die Frau Purol sich ja bereits zu erkennen gegeben hat.

Im Prinzip weiß ich jetzt schon, wo der Hase lang- bzw. wie das Gespräch verläuft. Aber ich bin in alberner Stimmung, brauche gerade eine Pause  und erhoffe mir ein lustiges Anekdötchen.

Ich werde nicht enttäuscht.

In einem Versmaß, das an spannungsarme Gummiseile erinnert, berichtet sie mir:

„Sie haben 800 Euro gewonnen und zwei Reisen weil Sie eine Payback-Karte von McDagoberts, Ha&Emm, MyBoys, Azamon … haben damit Sie keine Steuern zahlen müssen haben wir einen Auftraggeber für Sie gefunden da können Sie für ein Jahr eine Zeitschrift abonnieren wie lautet Ihre Bankverbindung?“

Ich bin zwar nicht im Besitz einer solchen Karte, aber dass da gleich so mit einer Steuerzahlungsumgehung für mich gesorgt wird, finde ich jetzt rührend.

Damit ich alles richtig verstanden habe, fasse ich für meine Glücksbotin zusammen: „Ich soll also eine Zeitschrift bestellen, damit ich den Gewinn erhalte?“  Ihre Antwort klingt leicht ungeduldig: „Ja, wegen der Steuerersparnis Ihre Bankdaten bitte.“ Ich verstehe ihre Verärgerung. Das hatte sie ja schließlich bereits gesagt. Beides. Manchmal bin ich aber auch wirklich schwer von Capé.

Ich möchte unserem Dialog eine kleine, dramaturgische Wendung geben und  bitte sie, mir die frohe Botschaft doch in Schriftform zukommen zu lassen. Dann würde ich eventuell auch meine Bankverbindung preisgeben.

Stille.

Guckt sie jetzt in der Kundenanleitung unter „schwieriger  und unverständlicher Wunsch des Gewinners“ nach? Oder träumt sie von meinen Reisen?

Mit einem forschen „Hallooo?“ versuche ich,  sie wieder in das nette Gespräch einzubeziehen. Zwei Minuten später, ich rechne schon gar nicht mehr mit ihrer Beteiligung, erwidert sie mit unverhohlener Missbilligung, gut, dann werde sie eben einen Notar befragen, ob das so ginge.

Ein Notar. Na, das klingt doch seriös und vertrauenerweckend. Bevor ich mein Wohlwollen über ihre geplante Vorgehensweise zum Ausdruck bringen kann, hat sie leider schon aufgelegt.

Das war ‚mal ein unterhaltsames Päuschen. Und ich hab‘ etwas, woraus ich mich freuen kann. Der Brief vom Notar kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon in den nächsten Tagen an. Mal sehen, wo ich hinfliege. Vielleicht ins Schlaraffenland.

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7 Kommentare zu “Bei Anruf Pausen-Clown

  1. Also Frau Purol. Da werden Sie nett nach Ihrer Bankverbindung gefragt und Sie wollen das schriftlich. Also wirklich. Gut, früher kamen die „Drücker“ noch persönlich und man musste auch selber seine Steuern zahlen. Aber das hier war ja nun wirklich eine gute Absicht.

    Ich finde, Sie sollten die Nummer herausbekommen und dann da mal anrufen …

    • Lieber Herr Jarck,

      so betrachtet haben Sie natürlich vollkommen Recht. Jetzt fühle ich mich doch beschämt. Manchmal sehe ich die guten Absichten von Mitmenschen nicht. Das liegt an meiner Kindheit. Da musste ich immer die Steuern für meine Eltern zahlen und Zeitungen abonnieren. Das prägt. Außerdem ist mein Vater Notar, meine Mutter Telefonistin und wir waren zweimal für 800 Euro verreist. Quasi ein Trauma.

      Ich mache es wieder gut. Ich rufe da an und schenke ihr die Reisen und das Geld.

      Danke, Herr Jarck, ich fühle mich wie geheilt.

      Zerknirschte Grüße

      Su

      • Oh, Frau Purol, da werden Sie wirklich bevorzugt behandelt, denn Ihre Bankverbindung ist noch eine Geheimnis für die Glücksbotin. Kennen Sie die Rentnerrattenfalle? Die Glücksbotin mit genuscheltem Namen teilt einer Renterin/ Rentner deren Bankdaten mit und fragt ganz interessiert und fürsorglich, ob die Daten denn noch stimmen, damit der Hauptgewinn auch ja auf dem Konto der Rentnerin erscheinen kann. Und sobald der Rentner bestätigt: „Ja, die Daten stimmen“, sitzt er in der Renternrattenfalle. Er hat einen Vertrag abgeschlossen, weiß allerding nicht, worüber. Er scheint zu alt, um das zu kapieren, Aber um die Gebühren, die aus dem Vertragsbschluss entstehen, zu zahlen ist er jung oder sollte ich lieber sagen, rüstig oder blöd genug?
        Tja, mit dem Kopf-wackel-Grüße. Doreen Hirsch

      • Liebe Doreen,

        den Ausdruck dafür kannte ich noch nicht, die überaus menschliche Vorgehensweise schon. Wobei, liegt der Trick nicht darin, irgendeine Bankverbindung zu nennen, damit der naive Mensch entrüstet die richtige nennt? Wie auch immer … mal ganz ohne Witz: schön ist anders. Mein Appell: Klärt eure süßen und unwissenden (betagten) Eltern und Omis und Opis und Nachbarn auf.

        Wackeln-wir-gemeinsam-mit-dem-Kopf-Grüße zurück. Su

  2. In (nicht nur) meinem Postfach fand ich gestern eine Gewinnbestätigung von Frau Nicole Weber. Ja, jene berühmte Weberknechtin, die (umschlungene) Millionengewinne an in Not geratene Studentinnen verteilt. 😉

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