Wie Phoenix aus der Arbeits(m)asche

by courtesy of  Wonderful World (WW) - thanks a lot

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Manche mögen Oliven. Manche nicht. Deshalb einen Rachefeldzug gegen die Olive zu starten, macht wenig Sinn. Und wird aus diesem Grunde auch nicht praktiziert.

Manche mögen Tim. Manche nicht. Deshalb einen Rachefeldzug  gegen Tim zu starten, macht wenig Sinn. Das ist in diesem Fall aber irrelevant. Denn Tim ist ein unangenehmer Querdenker, der seine Arbeit als kaufmännischer Angestellter zu langsam macht. Der Fragen stellt. Viel zu viele, nervige Fragen. Der eine Art hat, die einen zur Weißglut bringt. Sagt ihm die Chefin. Und der Assistent der  Chefin. Und deshalb muss Tim bekämpft werden. Er muss sich ändern. Er wird auf Bewährung gesetzt. Dieses Wort benutzt die Chefin. Und der Assistent.

Die Kehrseite der Medaille

Dass Tim durch seine Querdenkerei unendlich gute Lösungsmöglichkeiten findet, dass seine Arbeit so langsam ist, weil er sie gründlich macht und mit einem ausgezeichneten Ergebnis abliefert und dass er Fragen stellt, um alles richtig zu machen, interessiert dabei nicht. Genauso wenig wie sein herzensgutes Wesen. Was genau an ihm zu Weißglut reizt, wird auch nicht näher erläutert. Es ist ebenso. Punkt.

Und letztendlich ist es gut, dass Tim da ist. Das Team braucht einen Punshing Ball. Besser gesagt: die Spitze vom Team. Die messerscharfe Spitze, die Tim zwischendurch vor versammelter Mannschaft anbrüllt, er sei ein Vollidiot. Das tut einfach gut – der Spitze zumindest. Ebenso ist es eine Labsal, vom eigenen Unvermögen abzulenken, in dem man jemanden dazu auserkoren hat, „einfach nur dämlich zu sein“. Da fühlen sich Chefin und Assistent gleich deutlich besser.

Es ist auch angenehm, sich auf seine Kosten lustig zu machen. „Vor die Dummheit hat der liebe Gott einfach nur Tim gesetzt“,  lacht die Chefin, klopft sich vor lauter Vergnügen auf die Schenkel und schaut sich dabei Beifall heischend um. Der Assistent  grinst. Die betretenen Gesichter der  anderen Mitarbeiter werden geflissentlich übersehen.

Doppelte Botschaften

Tim bekommt die Anweisung, selbstständig zu arbeiten. Und die, sich Hilfe zu holen, wenn er nicht weiterkommt. Tim versucht also, ein Problem in eigener Regie zu lösen. Das nimmt zu viel Zeit in Anspruch. Er wird angeschnauzt. Beim nächsten Mal fackelt er nicht lange. Er holt sich Hilfe. Er wird angeblökt. Es folgt eine Abmahnung.

Und so wird Tim systematisch unter Druck gesetzt. Unter diesem  passiert maximal und bekanntlich wenig bis gar nichts. Weitere Angriffe sind vorprogrammiert, die Abwärtsspirale ist eingeleitet. Sehr zur Freude von Chefin und Assistent, dem Dream-Team – oder dem Nightmare-Dream, je nachdem, von welcher Seite man es betrachtet.

Wie fühlt sich Tim? Genauso, wie er behandelt wird. Nichtsnutzig, wertlos, klein. Er entschuldigt sich dauernd, sagt ständig „danke“. Versucht, alles besser zu machen und sieht nicht mehr, was er tatsächlich gut macht.

Schließlich folgt die Kündigung. Tim ist verzweifelt. So verzweifelt, dass er  seiner Chefin anbietet, für lau zu arbeiten, für noch lauer. „Noch lauer“ bedeutet für ihn: 850 Euro brutto für 40 Stunden inklusive Spätschicht und turnusmäßiger Wochenendarbeit.

Die Chefin lässt sich nach verständlicher Bedenkzeit darauf großzügig ein, nicht ohne ihm noch einmal genüsslich die Bewährungsprobe unter die Nase zu reiben inklusive des Nachtrages, er habe sich anzupassen.

Unterdessen aber …

hat Tim zu einem Kollegen eine Art freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Es gibt private Kontakte, in denen der Kollege ihn systematisch aufbaut. Er macht Tim auf seine Qualitäten aufmerksam. Und darauf, dass er sich als Zielscheibe zur Verfügung stellt. „Geistiges Aikido“ empfiehlt er ihm, gedanklich dem Pfeil aus dem Weg zu gehen:  Das Ziel beim eigentlichen Aikido ist es, die Kraft eines … gegnerischen Angriffs abzuleiten (Abwehr) und dieselbe Kraft intelligent zu nutzen.

Tim nimmt das an. Und er blüht innerlich auf. Das können alle sehen. Ein neuer Kollege schließt sich der Lobby um Tim an. Ein anderer gibt ihm ebenfalls zu verstehen, dass er auf seiner Seite ist. Die Situation kippt allmählich. Chefin und Assistentin sind irritiert. Tim geht plötzlich aufrecht. Das sind sie nicht gewohnt. Die Angriffe lassen nach.

Tim hat noch einen Weg vor sich, aber er ist auf dem besten. Und beginnt endlich seinen Wert zu begreifen.

Um mit den Toten Hosen zu sprechen

„Steh auf, wenn du am Boden bist, steh auf, auch wenn du unten liegst …“  oder mit: „Lass dir von niemandem je einreden, dass du etwas nicht kannst! … Wenn andere etwas nicht können, wollen sie dir immer einreden, dass Du es auch nicht kannst. Wenn du etwas willst, dann mach es. Basta! ( „Das Streben nach Glück“,engl. „The Pursuit of Happyness“ mit Will Smith & Jaden Smith).

 

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2 Kommentare zu “Wie Phoenix aus der Arbeits(m)asche

  1. Es gibt leider zu viele Tims oder Tinas auf dieser Welt. Menschen, die warum auch immer zur Zielscheibe anderer Menschen werden. Diese sind nur (scheinbar) groß, weil Tim und Tina es zulassen. Geistiges Aikido? Das ist schön formuliert 😀 Es kommt vor allem der Philosphie hinter Aikido sehr nahe. Auch dort bewegst du deinen Geist. Menschen wie Tim wären in dieser gewaltlosen und sehr defensiven Sportart gut aufgehoben.

    • Das ist eine punktgenaue Zusammenfassung und Erweiterung, danke, liebe nandalya.

      Dazu passt dann noch dieser Abschiedsbrief einer Gekündigten:

      Hallo ehemaliges „Team“,

      um der Gerüchteküche abschließend den Dampf zu nehmen, möchte ich klar stellen, warum ich gegangen bin – in der Hoffnung, ein positives Erbe zu hinterlassen. Und weil ich es loswerden möchte.

      Sicherlich spielte das Geld eine entscheidende Rolle, ich weiß, was meine Arbeit wert ist.

      Ausschlaggebender Faktor aber war der Umgang, der mit Herrn X. nicht gepflegt, sondern gequält wurde. Ständig wurde er kritisiert. Gesprochen wurde mit ihm in einem abwertenden, manchmal böse verächtlichem Ton. Die Witze, die auf seine Kosten gemacht wurden, waren unter aller Würde. Manchmal, viel zu oft, wurde er angeschrien und mit deplatzierten Schimpfwörter wie „Vollidiot“ betitelt. Ganz abgesehen von den hässlichen Lästereien hinter seinem Rücken. (Im Übrigen weiß ich sehr genau, dass auch hinter meinem Rücken gelästert wurde, machte mir aber nix… in meinen Augen denken Menschen, die von anderen derart schlecht sprechen, einfach nur schlecht über sich selbst.)

      Die Atmosphäre, die sich durch diesen Umgang im Büro ausgebreitet hat, war extrem unangenehm. Und wenn vor solch einem Hintergrund Betriebsfeiern organisiert werden, ist das für mich nichts weiter als eine Farce.

      Herr X. trägt sein Herz auf dem rechten Fleck. Er arbeitet sorgfältig, gewissenhaft und gründlich. Er stellt Fragen, um alles richtig zu machen. Das kann er aber auf Dauer kaum leisten, wenn ihm mit annähernd jeder Bemerkung gesagt wird, wie wenig man von ihm und seiner Arbeit hält. Landläufig nennt man das Mobbing. Mobbing schwächt die Seele und lähmt. Wie kann man da noch Einsatz erwarten?

      Ich finde es sehr merkwürdig, dass einige nicht seinen Wert erkennen, während andere das sehr wohl tun.

      Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe dieses entwürdigende Benehmen ihm gegenüber nicht mehr ausgehalten und wollte nicht mehr Teil eines zum Teil so unmenschlichen „Teams“ sein.

      Es wäre schön, wenn meine Worte in dem einen oder anderen etwas Positives bewirken und dazu beitragen, dass Herr X. (und natürlich jede/r andere) so behandelt wird, wie es alle verdienen: mit Respekt. Letztendlich kann in meinen Augen ein Unternehmen, das damit wirbt, menschlich zu sein, aber im Hintergrund eigene Mitarbeiter fertig macht, nicht erfolgreich sein.

      Frau Y.

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